Die Alemannen Grenze

Wer zwischen Bramberg und dem Willaringgraben der Forstgrenze folgt, der findet steile Waldränder die ziemlich gerade verlaufen und dann rechtwinklig um die Ecke weiterführen, ein System bilden. Ohne ersichtlichen Grund fällt der Waldsaum 1-2m steil ab, während oberhalb der Wald und unterhalb der Acker flach verläuft. Seit ich die Texte des Emanuel Lüthi (EL) gelesen habe, komme ich davon ab, diese Wälle einer ackerbaulichen Bodenbearbeitung während Jahrhunderten zuzuschreiben. Etwa ein einfaches lockern der Krume, bei dem die Ackererde jedesmal ein wenig nach unten bewegt  und folglich oben mit der Zeit ein steiles Bord entstanden sein könnte. Diese Arbeitsweise hätte oben die fruchtbare Erde ausgedünnt und unten den Humus unnötigerweise aufgeschichtet. Dagegen haben die Ackerbauern noch im letzten Jh. beim Pflügen am Hang den untersten Erdbalken mit der Erdbenne in die oberste Pflugfurche hinaufgekarrt, um oben die fehlende Erde zu ersetzen, weil sie mit dem Pferde- oder Ochsengezogenen Pflug die Erde immer kräftesparend nach unten gewendet hatten.
Auf dieser Seite versuche ich, diesen künstlichen Geländeformen eine andere, eine wichtige militärische Bedeutung zu geben.

Nachdem die alemannischen Raubzüge in der ersten Hälfte des 1.Jt., aus dem schwäbischen Raum heraus nach Gallien und Oberitalien blutig gestoppt worden waren, scheint dieses Volk die Selbstversorgung mit Acker- und Getreidebau bevorzugt zu haben. In der zweiten Hälfte des 1.Jt. bis an die Aare oder bis zur Sense vorgedrungen, etablierten sie sich als sesshafte Ackerbauern. Wie der mitteleuropäische Raum in dieser Zeit von Ost- bis Fernöstlichen Reitervölkern (Hunnen) ständig plündernd heimgesucht worden war, so hatten sich die helvetischen Alemannen eindringenden Plünderern von Westen her zu erwehren. Ein Krieg mit dem mächtigen burgundischen Nachbarn war immer latent, keineswegs aber die einzige Gefahr für diese einfachen Bauersleute. Ueber Nacht alles Erarbeitete an Räuber zu verlieren, bedeutete existenzieller Notstand. Aus dieser Angst heraus können die Bemühungen dieser Menschen verstanden werden, Abwehranlagen entlang von Saane und Sense zu errichten. Vorher hatten sie sich angeblich entlang der Donau und später am Rhein gleichsam geschützt. Ohne wirksamen Schutz vor Diebstahl und Raub investiert bis heute niemand auf der Welt in eine bessere Infrastruktur, in heizbare Häuser, hält Haustiere, legt Wintervorräte an. Unsere alemannischen Vorfahren scheinen die Voraussetzung für eine gesellschaftlichen Entwicklung begriffen und die nötigen Vorkehrungen getroffen zu haben. Waren das die Anfänge des Staates Bern? Der Schweiz?
Leider sind diese Mutmassungen reine Hypothese. Für den helvetischen Raum und die fragliche Zeit gibt es nur spärlich Literatur dazu, für unsere Gegend gähnt Leere.
Auf dieser Seite habe ich die Alemannen-These sehr gewichtet. Die beschriebenen Erdwälle in ihrer Ausgestaltung schliessen die Möglichkeit einer sehr viel längeren Enstehungsgeschichte keineswegs aus, denn die Aehnlichkeiten mit den Wällen am Mont-Vully sind frappant. Wehranlagen der Kelten sind hier durchaus auch denkbar, ihre Grabhügel liegen im nahen Forst. Die Wehrschanzen könnten durch die Jahrhunderte immer wieder weitergenutzt, verbessert und ausgebaut worden sein. Letztmals tatsächlich 1941 mit Beton! 


Wehrschanzen an der Bärechlaue
Das Bild zeigt den Sensetalabschnitt Bärechlaue. In dieser Reliefschattierung sind die künstlich terrassierten Abhänge der rechten Senseseite deutlich zu sehen, während auf der linken Seite nur Erosion vorherrscht. EL vergleicht diese Terrassen mit dem Landeshag in Hundersingen an der Donau und in Bad Säckingen am Rhein. Die Alemannen schützten sich dort angeblich gegen die Römer, nachdem sie diese Gesellen zuerst über die Donau und später über den Rhein zurückgedrängt hatten. In gleicher Weise sei die Fortifikation am Sensegraben zu verstehen, in der Zeit als die Alemannen bis zur Aare vorgestossen waren ca 450-950, als eine vorgeschobene Grenze gegen einfallende Burgunder. Bildquelle: Swisstopo

Die Gemeinde Neuenegg, ein Ueberbleibsel befestigtes alemannisches Grenzgebiet
Das helvetisch alemannische Volk hatte im Westen über Jahrhunderte einen Widersacher: den burgundischen Nachbarn. Zudem trieben berittene Plünderer in Europa überall ihr Unwesen. Alemannien schützte sich offenbar mit umfangreichen Sicherungsmassnahmen an der westlichen (Landes)Grenze. Diese kriegsgezeichneten Leute scheinen ihren Willen zur Unabhängigkeit und Wehrhaftigkeit mit allen ihnen bekannten Massnahmen zu erreichen gesucht zu haben. Tatsächlich können die künstlichen Terrassen am Senseabhang, die Wälle am Forstrand und mehrere andere, als gewaltige zusammenhängende Fortifikationen gesehen werden. Nicht umsonst hatten die Erbauer in römischen Diensten gestanden, das Handwerk offenbar gründlich gelernt. Wenn ich es richtig erkenne, sollten diese Abwehrschanzen gut besetzt ein grosses anrennendes Heer von 10 - 20 000 Mann abwehren können. Zwischen Seeland und der Stockhornkette bildet das breite Sensetal bei Freiburghaus das idealste Gelände für eine feindliche Ueberschreitung. Die betonierten Tankmauern von 1941 an dieser Stelle sind gleichsam ein Zeugnis dafür. Genauso mochten keltische und alemannische Strategen gedacht haben.
An den steilen Linien am Senseabhang hatten Angreifer Mühe beim Durchkommen. Gräben und Palisaden konnten auch gegen heftigen  Widerstand durch Verteidiger überwunden werden. Durchgedrungene Kämpfer sahen sich aber in befestigten Hinterhalten gefangen und in engen Kesseln zur Kapitulation gezwungen. Um diese Kriegslist umzusetzten, scheinen die Alemannen das gesamte heutige Gemeindegebiet von Neuenegg zwischen Forst bis zur Sense, von Bärfischenhaus bis Thörishaus in ihr Dispositiv einbezogen und vollständig entwaldet zu haben, dass sich kein eingedrungener Gegner irgendwo verstecken konnte.
610 Schlacht Oberwangen 
Dieses Ereignis hat seine Gründe im schwächelnden fränkischen Königshaus mit brutalen und (blau)blutigen Morden um die Macht der Merowinger. Die alemannischen Herzogtümer wurden dabei durch wechselnde Allianzverpflichtungen verärgert und düpiert. Und ein nicht zu unterschätzender Gebietsverlust um die Diözese Avenches, gaben ihnen 610 Anlass für einen Plünderungszug in diese Gegend, den die Burgunder mit einem erwarteten Gegenschlag zu beantworten suchten. Die burgundischen Angreifer scheinen einen Kampf bei Neuenegg nicht gewagt zu haben, stattdessen drangen sie bei Thörishaus ins enge Wangental ein und marschierten bei Oberwangen in eine Falle, wo sie gestoppt, eingekesselt und geschlagen worden sind. Der verlorene Kampf der Burgunder lässt doch einige Rückschlüsse über die Taktik der alemannischen Sieger zu, die dem Gegner abgepasst haben könnten  und den Geländevorteil zu nutzen gewusst hatten.  Anders lässt sich der errungene Sieg nicht erklären, nachdem die Burgunder erst 3 Km in Alemannien eingedrungen waren. Dieser (von mir erfundene) Schlachthergang lässt sich leider durch die Befunde der Gräberfeld Ausgrabung in Oberwangen im Jahr 2000 nicht beweisen. Drei von 48 einzeln Bestatteten sind nachweislich durch gewaltsame Einwirkung gestorben. Viele weitere Gräber sind mit dem Pflug derart gestört oder zerstört worden (verschwunden), dass die Todesursache der Bestatteten ungeklärt bleibt. Weitgehend fehlende Kindergräber und die Erdbestattung ohne Sarg, könnte auf ein Ereignis Erwachsener betreffend hindeuten. Hingegen wären nach einer Schlacht eher Massengräber zu erwarten, die allenfalls noch gar nicht entdeckt worden sind.

Der Schlachthergang nach älterer verklärender Beschreibung: 610 kämpfte eine alemannische Invasionsarmee bei Wangas ein transjuranisches Heer nieder, plünderte und brandschatzte daraufhin die Gegend von Avenches und kehrte mit reicher Beute zurück. 
Neuere Lesart nach Dieter Geuenich (2005): Der Plünderungszug ins Broyetal geschah vor der Schlacht.
Vermutlich verloren die Alemannen bei der Reichsteilung von 561 das Broyetal, wo sie auch gewohnt hatten. Nachweislich gab es hohe alemannische Amtsträger in Avenches (Leuthari und Butilin).
Payerne hiess früher Peterlingen, Yverdon Yverten, sichere Zeichen für frühere alemannische Orte.
Bild: Swisstopo Schoepf Karte 
200 m südöstlich von Freiburghaus stehe ich beim fotografieren auf einer früheren Wehrschanze, der Flurname heisst bezeichnend Staffler. Auf dem Foto ist 10m vor mir eine deutliche Welle sichtbar, 30m weiter unten eine schwache 2.
Die Seitengräben zur Sense waren als schmale Korridore ausgebildet gewesen und hatten am oberen Ende einen engen Kessel. Die Grenze war doppelt bis dreifach gesichert und weiter oben das Vorland zum Forst hin in Sektoren mit weiteren Hinterhalten eingeteilt, bis schliesslich am Forstrand die letzte starke Sperre war.
Der Schleipfen Graben Hinterhalt
Rot ausgezogen sind die Börder noch stark ausgeprägt, gestrichelt vermuteter Linienverlauf. Auffällig viele oder die meisten folgen heutigen Parzellengrenzen und bilden Terrassen oberhalb mit einer Geländekante. Deshalb ist die Annahme, das Ganze sei durch das Bauern entstanden durchaus plausibel. Beim oberen Schleipfenwäldchen ist die Terrasse aber 3-4m hoch, hier kommt die Bauertheorie ins stocken. Und bei der Welle des Staffler ist die Erde gleich unterhalb im Bereich des vermuteten Wehrgrabens am schwersten, ein Indiz, dass die lockere Obererde weggeschafft wurde. Das Oval ist ein  Graben, der zur Materialbeschaffung einerseits und als Sperre gedient haben mag. Ausser etwas Bunnen Ueberwasser fliesst dort nie ein Wässerlein, also muss er künstlich angelegt worden sein.
Bildquelle: Swisstopo (Nachzeichnung: Autor)
Die grosse Terrasse im oberen Schleipfenwäldchen in südlicher Richtung fotografiert. Sie ist sehr gut erhalten geblieben, besonders auch der steile Abhang bis zur angrenzenden Wiese. Hier hat kein Pflug den defensiven Charakter verändert.
Die Erbauer folgten mit den Sperren den natürlichen Geländeformen und nutzten deren strategischen Vorteile wo es möglich war. Der Schleipfen Graben Hinterhalt endet oben an der Nesslerenstrasse in einem sehr engen Kessel, der im Gelände immer noch gut sichtbar ist.
Hinterhalt Hale
EL meinte, die Eingänge zu den Gräben seien künstlich verengt worden, so an der Flüh (Burgstelle) und im Bereich der Kirche. Dies mag zutreffen. Die Eingänge könnten aber auch absichtlich offen gelassen worden sein, um den wagemutigen Gegner weiter oben im Hinterhalt einzukesseln. Für die in Deckung wartende Wachmannschaft kamen künstliche Gräben oder Hohlwege gelegen. Oberhalb der Kirche und im "Holegässli" hinter der Nessleren waren wasserversorgte und witterungs geschützte Unterstände möglich.
Bildquelle: Swisstopo
Am Hohstudenweg ist die Schanze 2-3 m hoch. Nach einem kleinen Hangrutsch hat mein Vater die Hecke gepflanzt. Die Sperre ist von der Kirche mit dem Hohlweg beginnend, geradeaus bis nach Brüggelbach erkennbar.
Auffallend ist, im ganzen westlichen Gemeinde Gebiet, abgesehen von Wald, die fehlenden  Hecken oder Einzelbäume, die Landschaft ist ausgeräumt. Gut möglich, dass nicht die Bauern in den letzten Jahrhunderten, sondern die alemannischen Grenzpioniere das Holz viel früher entfernt hatten. Für die Offenhaltung der Landschaft kam dann der Pflug in Frage, denn diese Leute verstanden bakanntlich das Bauern sehr gut.
Die Technik
Rekonstruktion des Obergermanich-Raetischen Limes. Dieses zum Welt- Kulturerbe erhobene 550 Km lange römische Bauwerk sollte die nach Süden drängenden Alemannen zurückhalten.
Aehnlich könnten die Sperren von Neuenegg ausgesehen haben. Am Senseabhang war es vielerorts fürs hinaufsteigen zu steil(gemacht), auch ohne Palisade zu Fuss kein Durchkommen. Naheliegend ist ein Abwehrdispositiv, das primär ein plötzliches Ueberrennen (durch Berittene) verunmöglichte. Eine Wache war sicher auch in ruhigen Zeiten erforderlich. EL meinte, die kleine Sandsteinhöhle über der Ramseren habe als Wachtlokal gedient, gut möglich.
Bild: Internet
Hinterhalt Talackergraben
Das Waldgelände oberhalb der Bärenchlauenkurve zeigt deutlich das äusserst wirksame Abwehrdispositiv. Besonders der Talackergraben, wie er heute noch die geraden und sehr steilen Seiten aufweist, die am rechteckigen Abschluss enden. Die Erbauer scheinen sehr steile, Haushohe unüberwindbare Seiten abgekratzt (abböschen, abschroten) und das Erdreich unten terrassenartig ausgeebnet zu haben. Daraus ergibt sich die Treppenartige Geländeform. Wie es die Römer am Limes gemacht hatten, könnten die Wehranlagen mit Brombeeren bepflanzt, unbezwingbar gemacht worden sein. Diese Strukturen  sind EL aufgefallen, auch ohne  Georadar. Das schmale Weglein in den Kessel dient der  heutigen Waldbewirtschaftung. Bild: Geoportal Kanton Bern
Hinterhalt Riedere
Gut erhaltene Sperranlagen am Forstrand oberhalb Brüggelbach im Bereich der Schiessanlage. Mit einer kleinen Ausnahme bilden die Linien zugleich die Forstgrenze und die March. Dies bedeutet auch, dass seit der Erstellung der Schanzen keine Veränderung der Land/Waldgrenze vorgenommen worden war.
Hier zeigt sich der besondere Wehrcharakter der Anlage: die zum Spitz auslaufenden Ecken, wie sie auch an Ringmauern der mittelalterlichen Städte oder Festungen angelegt worden waren.
Von oben links nach unten rechts führt der Kreuzweg* (Wanderweg) zu der alten Dingstätte.
*Wegbezeichnung in den alten Statuten der Waldgenossenschaft Bramberg.
Bildquelle: Swisstopo (Nachzeichnung: Autor)
Wehrschanze im Herrenholz
Gewaltiger besterhaltener 200m langer Wall, knapp 2m hoch mit steiler Böschung (südöstlich im Herrenholz). Dem römischen Limes sehr ähnlich.
Zusammen mit dem ebenso hohen Wall beim gegenüberliegenden Nesslerenholz bildet dieses System einen engen Korridor in den versteckten Hinterhalt Riedere.
Sie fragen sich zurecht, warum bis jetzt nichts zu diesen künstlichen Wällen bekannt geworden ist? Weil es sehr Rätselhaft ist.
Letztes Jahr gab es eine Besichtigung durch den archäologischen Dienst, der die künstlichen Erdwälle bestätigt und vermerkt hat. Sinn und Zweck der Formationen und wer sie gemacht hat, bleiben aber Hypothese!
Künstliche Aufschüttungen bestätigt
Mit einer kleinen Sondierung ist die künstliche Aufschüttung im Herrenholz bestätigt worden. Eine 30 cm starke braun gefärbte Bodenschicht findet sich gut 1m unter der Walloberkante. Die Wallbauer haben nicht nur Erdmatrial tüchtig nach oben verschoben, sondern auch nach unten. Dadurch ist das Gelände auch unterhalb des Walls augeebnet und Terrassiert. Wenn Sie eine plausible Erklärung für diese Erdbauten haben, dann melden Sie sich bitte umgehend. Meine Mail-Adresse finden Sie auf der 1. Seite unten. Besichtigung der Wälle nach Vereinbarung möglich. 
An der Brüggelbachstrasse konnte die künstliche Aufschüttung an einem 900 m langen Wall, der sich am Bramberg entlang hinzieht, ebenfalls bestätigt werden. Das westsichtige Bild zeigt den dunklen Humus etwa 1,2 m unter der Oberfläche liegend. Auch eine gegen Süden abfallende Steinschicht markiert den Bau des Walls.
Auf dem Lidar Bild sehen Sie den Verlauf des Walls von der Däleweid bei A, dem Feldacher B  entlang und bei C der Brüggelbachstrasse folgend bis er schliesslich im Graben des ehemaligen Brüggelbach endet D. Der rote Punkt markiert die Fundstelle. Oberhalb A und B war bis 1773 die Brambergallmend, während unterhalb die Aecker der Dreifelderwirtschaft, der Wyden und Nessleren Bauern, vorherrschten.

Wehrschanze Tannholzweid
Der Waldrand oberhalb der Tannholzweid nach Westen fotografiert. Auch hier ist die steile Ueberhöhung immer noch gut 2m, die keinesfalls lediglich für den einfachen Waldweg aufgehäuft worden ist. Oestlich davon finden sich im Wald 2 gestaffelte Wälle mit lediglich 1m Höhe. Die geringere Höhe könnte auf eine wesentlich ältere Entstehung hindeuten.

Die Definition des Hinterhalt nach dem Wörterbuch der Gebr. Grimm: der H ist oft eine Möglichkeit, ein Gefecht über einen überlegenen Gegner zu gewinnen. Der Erfolg des H wird unterstützt, wenn der Ort so gewählt wird, dass die eigene Position zusätzliche Vorteile in Form von Deckung bietet, während der Feind auf freier Fläche steht und wenig Bewegungsraum und Rückzugsmöglichkeit hat.
Kriegslist um Freiburghaus. Rund um Nessleren, Brüggelbach und Freiburghaus zähle ich mehrere Sperranlagen mit je einem H. Wie ist dies zu interpretieren? Ich halte es für möglich, dass Angreifer, die an mehreren Stellen die ersten Sperren überwinden konnten, sich oben in Sektoren fraktioniert wiedergefunden hätten. Die Verteidiger dann diese Frontkämper in überlegener Manier über freies Feld in einen H getrieben, wo zusätzliches Personal wartete. Erschöpft und eingekesselt den Unglücklichen schliesslich die Aufgabe und die Unterjochung geblieben wäre. Kriegsgefangene bedeuteten die wertvollste Beute, die Sklaverei eine ganz normale Sache. Das riesige Ausmass dieser Sperranlagen war bestimmt keine plackerei Freiwilliger, eher eben Sklavenarbeit.

Alemannische Westgrenze 6.-10. Jh.
Auf dieser Karte ist der Grenzverlauf nach der Reichsteilung 561 der fränkischen Merowinger dargestellt.  Aufschlussreich liegt die Grenze südlich von Laupen im Uechtland des Saane entlang. Diese Linie ist zeitlich umstritten, denn die Ortsnamen Forscher sehen die Besiedelung des Uechtlandes erst etwa ab 950. Ohne das diese These verworfen wird, kann die Befestigung der Sense Linie in die Merowinger Zeit fallen. Der Historiker C. Longchamp unterstützt diese These, indem er die Konsolisierung der alemannischen Westgrenze bis zur Saane nach der Schlacht bei Oberwangen 610 erfüllt sieht.
Die beschriebenen Befestigungen entlang der Sense mit Burgen und Abwehrschanzen können als eine Fortführung und Verstärkung alemannischer Territorialpolitik gesehen werden.
Bildquelle: Internet/Wikipedia
Auf der Karte sieht man das Uechtland: zwischen Aare, Saane und  der Stockhornkette.
Mir scheint die Indizienbeweislage erdrückend. Wenn EL Recht hatte, dann wäre die Entstehung der Schanzen deutlich vor der ersten Jahrtausendwende anzusetzen, zumal die Alemannen auch guten Grund gehabt hätten und die Ausführung dieser Abwehrschanzen meisterhaft beherrschten. Falls es erst bei der Besiedelung des ganzen Uechtlandes passiert wäre, und diese soll eher friedlich gewesen sein, dann scheint mir die Grenzebefestigung von Neuenegg übertrieben.
Die auf der ersten Seite beschriebene Wasserversorgung von Freiburghaus könnte an Bedeutung noch gewinnen. Einmal von der Personal intensiven Bauarbeit für die Sperren abgesehen, wie sollte eine kleinere oder grössere defensiv Armee mit Trinkwasser versorgt werden, wenn sie auch eine Belagerung überstehen sollte? Wer die Grabarbeit für dieses Wasser auch ausgeführt haben mag, für (wartende) Soldaten wäre sie willkommen gewesen. Und übrigens, die Freiburghaus Wasserquelle befindet sich im engen Korridor zur Riedere. Besteht da etwa ein Zusammenhang zu den Wällen? Hat man in Freiburghaus gleich zu Beginn einen Brückenkopf errichtet?

Auf der Seite Sternenberg versuchte ich, die Besiedelung des Uechtlandes einer gezielten Planung zu unterstellen. Wenn man noch die Grenzbefestigungen einbezieht, dann erhärtet sich diese Ansicht erheblich. Es scheint, die Alemannen oder ihre Nachfolger hätten das ganze Gebiet um den Forst zwischen Aare, Saane und Sense auf einmal unter Kontrolle gebracht. Mit der dazugehörenden Infrastruktur, mit Grenzsicherung, Burgenbau, Rodung, Besiedelung durch Bauern und Ackerbau, nebst dazugehörendem Gewerbe usw.

EL unterstützte diese Auffassung vollumfänglich. Mehr noch, er glaubte, die Uebernahme süddeutscher Ortsnamen ins helvetische Gebiet sei sehr Systematisch erfolgt, oft in gleicher Reihenfolge. Dies könnte ein Beleg für eine planmässige Einwanderung sein. Wissenschafliche Historiker haben die Schriften des EL schon zu seinen Lebzeiten als Anachronismus zerrissen, er habe die Grenze zwischen Erkennen und Interpretieren nicht auseinanderhalten können. Es seien sture Behauptungen, die ihm den Uebernamen Alamannuel eingetragen haben soll. EL entgegnete ihnen, die Geschichtsforschung könne sich nicht allein auf die Informationen der Pergamente beschränken, schliesslich würden die Erkenntnisse über die Pfahlbauer auch nicht angezweifelt, die bekanntlich seither korrigiert worden sind. Immerhin gestehen die Rezensoren die fehlende wissenschaftliche Ueberarbeitung bei der Uebernahme und der Publikation der Schriften von EL ein, die Gelegenheit verpasst wurde, die tatsächlich stimmigen Beschreibungen entsprechend zu würdigen.
Eine bitternötige, zusammenhängende wissenschaftliche Untersuchung, der für die Schweiz einmaligen und eindrücklichen Fortifikationen entlang der Sense mit 15 Burgen gab es bisher leider auch nicht.

Die Beschreibung der Alemannengrenze von EL:
Wenn Sie auf obiger Adresse angelangt sind, können Sie auch die übrigen Bände von EL einsehen, indem Sie auf "Bandübersicht" klicken. Ab Band 21 bis 44 beschreibt er unter "Heimatkunde" die alemannische Einwanderung in Helvetien mit schwergewicht in die Westschweiz im 4.Jh. Ab Band 45 finden Sie seine interessante Lebensbeschreibung posthum. Z.B. wie die Französischen Soldaten am 5.3.1798 seinen betagten bettlägerigen Grossvater erschossen haben, weil er seine silberne Uhr nicht hergeben wollte. Oder wie seine Mutter Barbara Freiburghaus als Wittwe mit  ihren 4 Buben (Emanuel und 3 Brüder) von Neuenegg nach Innerbirrmoos, der Heimatgemeinde von EL abgeschoben wurden...