Der Rebell

Peter Friburghus. Schon von ihm gehört? Peter ist im oberen Hus geboren und am 10.7.1608 getauft worden. Seine Eltern waren Hans Friburghus und Elsbeth Kilchberg. Er war ein Ur Enkel des Jakob, des Stammvaters. Peter hatte vier Brüder und zwei Schwestern, er war der zweitälteste. Mit 19 Jahren hat er die 22 Jährige Anni Zuter, die Tochter eines Webers von Schwarzenburg geheiratet. Dieses Anni, die spätere Stieftochter des Landesvenners Christen Binggeli von Schwarzenburg gebar ihm 6 Kinder, (Barbli, Peter, Hans, Anna+, Anna, Bendicht). Mit seiner zweiten Frau Anna Schwarzwasser von Guggisberg hatte er noch den Sohn Christen.

Die Taufurkunde von Peter am 10.07.1608.

Im Jahr 1653, als Statthalter von Neuenegg, Mitglied des Bauernbundes unter der Führung von Niklaus Leuenberger kommandierte er die Bauerwachen bei der Gümmenenbrücke.

Ein kleines Essay zum Bauernkrieg, oder war es ein bedeutender staatsbildender Vorgang?

Die Auswirkungen des schrecklichen dreissigjährigen Krieges nördlich des Rheins, hatten viele eidgenössische  Bauern durch Käse- und Fleischexporte reich gemacht. Weil nach dem Krieg die Agrarexporte völlig ausblieben, sanken die Einkommen der Bauern um die Hälfte bis zwei Drittel. Gleichzeitige Mehrbelastungen durch neue Steuern, eine Münzentwertung, Versammlungsverbote, schikanöse Kleidervorschriften usw. stürzten die Bauern in eine schwere sozial- ökonomische Krise. Vorgebrachte Klagen und Bitten hat man ihnen abgeschmettert oder die Kläger wurden beschimpft und mit Kopfabhauen bedroht. Sie sahen die regierende Obrigkeit in die Rolle der zuvor durch ihre Väter vertriebenen tyrannischen und verhassten Habsburger geschlüpft und damit um ihre errungenen und zugesicherten  Rechte geprellt. Es folgten Bauernversammlungen, Verweigerung von Abgaben, gegenseitige Drohungen, ein beschworener Bauernbund gegen die Tagsatzung und bewaffneten Krieg.... Gab es eine Legitimation ihres bewaffneten Kampfes? Durchaus, die gleiche wie ihre Väter gehabt hatten: den Tyrannenmord.

Um die 3000 Ausgeschossene beschwören unter Niklaus Leuenberger den Bauernbund von Huttwil. 20. April 1653. Peter Friburghus hat seinen Amtsvorgänger Hans Mader vom Riedli hingeschickt. Heroisiertes Bild aus dem Bilderkalender von Martin Disteli.

Es gab Gefechte, doch den totalen Krieg wollten aus Angst vor grossem Blutvergiessen die meisten nicht. Die Bauern versuchten durch Belagerungen und endlose Verhandlungen ihre Ziele zu erreichen. Das massive Auftreten der Bauern mit 24'000 Mann vor den Stadttoren von Bern und Luzern hatte durchaus seine Wirkung. Der Friedensvertrag von Muri und Mellingen schliesslich sicherte den Bauern mehr Rechte und freies Geleit zu. Die Staat-Stadtregierungen glaubten sich aber einem absolutistischen Recht verpflichtet und hielten sich nicht an die Verträge mit diesen Ungehorsamen, im Gegenteil, man wollte diesen Untertanen eine „Lektion“ erteilen. Sobald die Bauern zu Hause waren, begannen aus den Städten ausgesandte Truppen in einer Blitzaktion im ganzen Land, die Rädelsführer zu verhaften. Der kriegsmüden Bauerschaft ihrer führenden Köpfe beraubt, blieb  das zu Hause bleiben.

Kampf zu Melligen am Nachmittag des 3. Juni 1653 gegen die Tagsatzungsarmee. Am Abend werden gegen 100 Tote gezählt und ein Waffenstillstand vereinbart. Heroisiertes Bild von Martin Disteli.

Peter Friburghus versteckte sich beim Burgermeister Hans Balmer in Laupen. Bei seiner Ergreifung hat er sich offenbar gewehrt, so dass Balmer später eine Rechnung zum Ausgleich von Mobiliarschaden stellte, verursacht durch die Soldaten bei der Behendigung des Bauernführers. Peter wurde zunächst im Schloss Laupen inhaftiert und in der Woche vom 6. Juni 1653 in den Tittligerturm zu Bern überstellt. Die Anklage lautete: Er habe die Gümmenenbrücke sperren lassen, damit die den Stadtbernern zu Hilfe eilenden Waadtländer Hilfstruppen aufgehalten würden. Er habe Lästerreden gegen die Herren von Bern geführt und gesagt: die Falschmünzer kämen nicht aus dem Ausland, sie sässen in der Stadt! Auch die Freiburger klagten gegen ihn: Er habe die Gnädigen Herren hochfärtige und stolze Herren geheissen, die sie nit wie Christen und Möntschen tractierend“.

Peter Friburghus wird hingerichtet
Der Angeklagte wendete ein, er habe in seiner Grenzgemeinde nur pflichtbewusst die bernischen Rechte gegenüber Freiburg gewahrt, indem er fremden Truppen den Uebertritt ins bernische Hoheitsgebiet verweigerte und müsse dies nun teuer bezahlen. Möglicherweise war er auch das Opfer des nachbarlichen Hasses der Freiburger Herren. Er blieb standhaft auch unter schwerer Folter. Doch die Herren kannten kein Erbarmen. Am 23. Juli 1653 liessen sie ihren ehemaligen Statthalter zum Köpfen auf den Richtplatz der Stadt Bern führen. Er wurde gevierteilt in der Stadt ausgestellt. Für seine mutige, revolutionäre und gefährliche Tat für die unterdrückten Bauern, hat er am Ende auch sein Leben geopfert! Im Staat Bern wurden 23 Rädelsführer hingerichtet. Für die Hinterbliebenen gab es kein Begräbnis. Das ganze Geschehen ist detailreich beschrieben im Buch von Urs Hostettler „Der Rebell vom Eggiwil“, wo auch der Peter Friburghus als Randfigur vorkommt.

Der Entlebucher Christian Schibi auf der Folter vor dem Kriegsgericht in Sursee. Bild von Martin Disteli. 


Das Hab und Gut von Peter Friburghus wurde akribisch inventarisiert (Achetringeler Nr. 27), und die unglückliche Familie gebüsst (Busse: einen Kindsteil plus Witwenteil =1/9=400Pfd). Ein Jahr später wird der 19 jährige Sohn Peter mit der Haushälterin seiner Stiefmutter vor das Chorgericht zitiert. Anklage: Uneheliche Schwangerschaft. Ebenfalls im Jahr 1654 übernimmt ein Neffe des Bauerführers den Hof, es ist Hans Friburghus (er ist 1671 Statthalter), der von Brüggelbach mit seiner Familie heimkehrt.

Ein Peter Friburghus von Neuenegg heiratete 1674 in Albligen eine Nichte von Anna Schwarzwasser und nahm auch dort Wohnsitz. Ob er Peters Sohn war oder gar sein Enkel, kann nicht belegt werden, ist aber naheliegend. Denn ein Bruder der Anna Schwarzwasser, von Guggisberg kommend, liess sich in Albligen nieder. Dass die Witwe des gescheiterten Bauerführers, von einem Teil der Bevölkerung geächtet, mit ihren (Stief)Kindern zu ihren Nächsten zieht, ist möglich und verständlich. Es gibt Personen, die für sich eine Abstammung vom Bauernführer reklamieren. Falls Sie, liebe(r) Leser(in) näheres wissen, meldet Euch bitte bei mir.

Lienhart Friburghus flüchtete mit seiner Familie über den Rhein

Die Spur des Bauernführers und seiner Familie verliert sich damit...aber, die Angst und Verzweiflung in Freiburghaus, nach der Verhaftung und Inhaftierung von Peter muss damals schrecklich gewesen sein.

Eine kleine, aber wichtige Nachgeschichte möchte ich anfügen: im Tauf-Rodel von Neuenegg Ende 1654 finde ich noch folgende Notiz: NB. Auff begären Lienhart Friburghusers, des Langen Bentzen Fr.. zu Friburghus Tochtermanns, der dismals in der Reformierten Kirche Wyngart der Kurpfalz zugehörig, mit siner Ehefrau sich aufhielte und ein Söhnli daselbst mit ihr gezüget. Hab ich solches, sein Söhnli namens Hans-Bendicht, dass es ehelich und förmlich luth Hr. Kilchendieners Matthis Kleibers Schyn, der es auch getauft und des zeugsamme mit seiner Quitschaftt  geb: auch allhier rynschryben wöllen. Zeugen des Tauffs waren: Georg Glötzer, Bendicht Schanz und Madlena Schüppach. Actu 19. Marty 1654“ Dieser Sachverhalt deutet an, dass der 40 jährige Lienhard Friburghaus, er ist Besitzer im underen Hus und der kleinklein Cousin des Bauernführers, gleich nach dem Bauerkrieg bzw. nach der Verhaftung von Peter mit Frau und Kind geflüchtet ist (etwa 25 gesuchte Berner hatten sich entweder ins Fricktal oder weiter ins Elsass oder rechts des Rheins abgesetzt und wurden nie gefasst). Am 22. April 1666 ist Lienhard bei der Taufe des Sohnes Peter in der Kirche Nüwenegk wieder Aktenkundig. Die Bernische Regierung hatte einen Generalpardon ausgesprochen, Lienhart konnte unbehelligt hiesig sein. Den dreijährigen Aufenthalt in der Kurpfalz hat die Familie offenbar mit anderen Schweizern(innen) geteilt. Nicht nur die Taufzeugin Madlena Schüppach war Emmentaler Geschlechts, es muss da von Schweizern nur so gewimmelt haben. Die Geschichte schwenkt in eine neue Dimension, lesen sie weiter.

Die reformierte Kurpfalz ein Stück Schweiz 
Schon im 15. Jh. verhandelten die eidg. Orte widerholt über engere Bündnisse mit der Kurpfalz. Ein Kurfürst vermittelte erfolgreich im alten Zürichkrieg. Es folgten Austausche von Lehrpersonen und Studierenden zwischen Heidelberg und Lausanne. Mit Unterstützung von Calvinisten wurde der reformierte Glaube in der Pfalz eingeführt. Nach dem 30-jährigen Krieg war die Pfalz durch Kriegsgräuel völlig zerstört und entvölkert. Der pfälzische Kurfürst entschloss sich, für den Wiederaufbau seines Landes Schweizer anzuwerben. Mit Erfolg. Um die 10‘000 reformierte Eidgenossen, Bauern, Handwerker, Lehrpersonen, Pfarrer, siedelten daraufhin in der Pfalz und stellten schliesslich etwa einen Drittel der lokalen Bevölkerung. Zudem gewährten die reformierten Orte dem Kurfürsten einen Kredit von 120 000 Reichsgulden. Zwei Generationen später waren die zugewanderten Schweizer in der Pfalz völlig assimiliert. Heute stossen deutsche Ahnenforscher unerwartet auf diese schweizer Vorfahren, und, in Neuenegg berichtet mir eine Zeitgenossinn von zurückgekehrten Vorfahren.

Die Revolte der Landleute war nicht umsonst, im Gegenteil
Der Bauernkrieg mit etwa 800 Toten von 1653 sei umsonst gewesen, sagen einige, danach sei 200 Jahre alles beim alten geblieben. Neuere  Publikationen zeichnen hingegen ein anderes Bild. Die Volks Revolte von 1653 habe demnach durchaus eine nachhaltige Wirkung gehabt, bis heute. Anders als im deutschen Reich oder in England hätten die eidgenössischen Regierungen die Steuern nicht mehr erhöht, sie begnügten sich im Wesentlichen mit dem Einziehen der Zinsen und des Zehnten. Damit sei ihnen die Finanzierung von stehenden Truppen, ein entscheidendes Machtmittel, wie es die Luzerner Regierung im Sinn gehabt hatte, versagt geblieben. Der Bauernkrieg hätte eine Patt erreicht: hier die Landleute, vor dem Bauernkrieg schon zwei Mal erfolglos revoltierend, es erfolgreicher ein viertes Mal hätten versuchen können. Auf der anderen Seite die Regierenden, aus Respekt dazugelernt, es vorgezogen hätten mit Milde zu Regieren. Ausserdem hatte sich seit der Reformation die neue Selbstverwaltung in den Kirchgemeinden, die Gewaltenteilung bzw. Chorgerichtsbarkeit in der Hand der lokalen Bevölkerung, eine ur-demokratischen Errungenschaft bewährt. Die Ideale der alten Eidgenossen: Freiheit, Brüderlichkeit, Einigkeit im Kampf gegen Aussen, hätten die gefährlichen Zustände des Bauernkrieges überdauert oder aber gerade deswegen bis zur Bildung der modernen Schweiz Bestand gehabt.

Modernere Historiker (Andreas Suter) heben den Bauernkrieg heute auf Stufe Revolution, auf gleiche Höhe wie die Gründung der Schweiz, auf dieselbe historische Bedeutung. Waren demnach die revolutionären Bauern und ihre abgeschlachteten Führer die Tellen von 1653? Urteilen sie selbst.