Keltische Gewandfibel (Quelle: Internet)

Rechts, Rekonstruktionsgemälde einer unbefestigten spätkeltischen Siedlung mit zahlreichen Bauten aus Holz um 100 v.Chr. Angefertigt auf Grund von Ausgrabungen auf dem Basel Novartis Campus.

Aehnlich könnte es in der Nessleren und in Wyden ausgesehen haben, wo die Wasserversorgung mit Quellen gewährleistet ist.

Der Ortsname Nessleren könnte vom französischen Ort Nesle stammen. Im 16. Jh. waren die Hugenotten Geschlechter Thisen und Thomet in der Nessleren ansässig.

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Helvetisches Nessleren und Brüggelbach

Der keltische Feldrandwall etwa 40m oberhalb des Strässchens.  Strasse und Wall folgen sich auffalend. Dazwischen vermute ich eine antike Bauerhofsiedlung. 1779 beklagte Rudolf Holzer die Aufhebung von 5 Feuerstellen in der Nessleren. Die Tauner waren auf den Bramberg gezügelt.

Die vielen Wasserquellen sicherten seit Jeher  die Existenz mehrer Häuser. Bis Heute. Der Name Nessleren könnte von Nass kommen. Oder, weil um die Mitte des 16. Jh. hier Thisen und Thomet ansässig gewesen sind, diese Hugenottengeschlechter aus Neslen Frankreich stammen könnten.

Lidar Bildlegende: hintere Nesslere links, vordere Nesslere mittig, Brüggelbach rechts. Nesslerenstrasse (schwarz), keltischer Feldrandwall (rot). Tauner Siedlung (grün). Die Gegend ist mit Wasserquellen (blau) gesegnet. Lidar Bilder und Karte: Swisstopo Internet.

Landschaftswerdung mit antikem Ackerbau

Auf dieser Seite versuche ich, die zahlreichen Jahrtausende alten anthropogenen Veränderungen der Bramberg, Nessleren und Brüggelbach Landschaft darzustellen, wie sie von den antiken Ackerbauer Vorfahren geschaffen und hinterlassen worden sind.

Abgelagert - Kolluvien als Anzeiger von Ackerbau

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Kolluvien sind Böden, die sich aus umgelagertem Bodenmaterial aufbauen. Solche Materialverlagerungen ereignen sich an Hängen, wenn die schützende Vegetationsdecke des Bodens durch menschliche Eingriffe, z.B. durch Rodungen und anschliessende ackerbauliche Nutzungen, verändert oder zerstört worden ist. Ohne das Wurzelwerk der Pflanzendecke werden durch Niederschläge, Nager und Pflug Bodenpartikel zum Unterhang verfrachtet. Die obere Grafik zeigt den verfestigten Bodenaufbau des Primärwaldes. Untere Grafik wie beschrieben die Bewegung des ungeschützten Bodens. Dieser Verlagerungsprozess wird bei einer Hecke oder Lebhag gestoppt und Sediment angereichert. Es entsteht eine Terrasse.

Auf diese Weise lassen sich die zahlreichen Wälle erklären, die um den Bramberg, in Wäldern und darüber hinaus zu finden sind.

Kolluvium an der Brüggelbachstrasse

Ein mächtiges Kolluvium hat sich oberhalb Brüggelbach am Fuss des Feldhubel gebildet (roter Punkt unteres Bild). Die Kumulierung über dem noch gut sichtbaren Urwald- oder Primärwaldboden misst gut 1.2 m. Abgelegte Feldsteine markieren das ehemalige Bord eines Lebhages.

Auf dem unteren Lidar Bild sehen Sie den Verlauf des ehemaligen Lebhag von der Dälewid bei A, dem Feldacher entlang B, der Brüggelbachstrasse folgend C, bis er bei D am Graben des ehemalige Brüggelbach endet. Ein durchgehender Wall ist im Gelände erkennbar.

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Die Terrasse im oberen Schleipfenwäldchen und der steile Abhang bis zur angrenzenden Wiese. In diesem Waldstück fand ich Steine mit Pflugspuren

Der mächtigee 200 m lange und gut 2 m hohe Wall im Herrenholz oberhalb der Schiessanlage Bramberg. Oberhalb und unterhalb ist das Gelände terrassiert, der Urwaldboden verläuft 1.5m unterhalb der Oberkante. Auf dem ganzen Hügel des Herrenholz: Steine mit Pflugspuren.

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Lidar Bildausschnitt des Nesslerenholz: Parallele Wälle und Furchen, die von früherem Ackerbau stammen.


Uebersichtskarte mit Kolluvien (Rot), Fundpunkte pflugverkratzter Steine (Blau), Römerstrassen-Trassee (Schwarz).

Die Darstellung deutet die vollständige keltische Entwaldung des gesamten Gebiets an. Keltische Siedlungen in der näheren Umgebung sind lediglich von Bösingen bekannt. Die Grabhügel im Forst deuten aber auf nähere Hofsiedlungen hin. Etwa Nessleren oder Wyden, an Stelle heutiger Bauernhäuser, die alle unterhalb von Wasserquellen errichtet sind. Lange hohe  Wälle, verbunden mit grosser Fläche und Aecker in steilem Gelände, deuten intensiven, geradezu Industriellen Ackerbau an, wie er kaum Kleinbäuerlich erklärbar ist.

Profil der Römerstrasse

2023 hat der archäologische Dienst des Kanton Bern die Römerstrasse im Forst an drei Stellen freigelegt und Dokumentiert. Die Strasse ist sichtbar direkt auf den Humus gelegt worden. Kofferung und darübergelegte Verschleisschicht misst um 50 cm. Breite um 7 m. Seit dem Abzug der Römer ist die Strasse der Natur überlassen, die um 20-30 cm Humus darübergelegt hat. 

Meine Mitarbeit ermöglicht es, unter der Strasse gelegene Steine zu bergen, die zum Erstaunen ebenfalls Pflugspuren aufweisen, die aus antiker Zeit stammen müssen.

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Beim Bestellen des Ackers mit Pflug und Egge wird mit erheblicher Kraft Eisen von den Werkzeugen ab- und auf Feldsteine aufgetragen, die zunächst als graue Spur und später als rostige Kratzer sichtbar bleiben. Als Eisenoxyd bleiben diese Bearbeitungsspuren Jahrhunderte erhalten. Also machte ich mich in fraglichem Gebiet auf die Suche nach solchen ehemaligen Feldsteinen und wurde sofort fündig. Hilfreich sind dabei die unzähligen Wurzelteller, die vom Sturm Lothar von 1999 noch vorhanden sind. Bald fand ich darin entsprechende Steine mit deutlich rostigen Kratzspuren. 

Bild: rostige Kratzer und Eisenklumpen (Eisenoxyd) auf einem ehemaligen Feldstein. Verursacht mit eisenbeschlagenem Pflug. Die Klumpen deuten Eisen mit geringer Härte an.

Fundort: Nesslerenholz


Heutige harte Feldwerkzeuge hinterlassen zwar Rostspuren, aber keine Klumpen mehr.

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Darstellung eines Eisenbeschlagenen Hakenpfluges mit einer einfachen hölzernen Riester zum wenden des abgeschnittenen Erdbalkens. Solche oder ähnliche Pflüge hatten die keltischen Ackerbauern eingesetzt.

Eine keltisch- römische Kornkammer

Brenodurum war eine von 21, vom römischen Feldherrn und Schreiber Cäsar genannten Civitas der Helvetier. Das mit hohen Wällen gesicherte Oppidum auf der Engehalbinsel beherbergte vor und nach der römischen Besatzung die Verwaltung von bis zu 800 Km2. Dabei war das gelb markierte Gebiet der kleinere Teil. Weil zu Derzeit die Arbeitsteilung schon erheblich war, leisteten schätzungsweise 1/5 der Bevölkerung mit Handwerk und Verwaltung keine urbare Tätigkeit mehr aus. Cäsar bezifferte die Helvetier mit 250`000 Seelen. Auf Brenodurum komme ich folglich auf gut 2500 städtische Bewohner in diesem Zentrum.

Die gelb markierte Fläche von rund 90 Km2 (unteres Bild), war vollständig entwaldet und als Acker genutzt worden. Bis zu den steil abfallenden Hangkanten in die Flusstäler. Bis zur Einführung der Dreifelderwirtschaft im Spätmittelalter ist Feldgraswirtschaft gemacht worden. Naheliegend auch vorliegend in der Antike. Feldgraswirtschaft beginnt mit Umbruch. Nachher mehrere Jahre Getreidebau mit Gerste, Einkorn, Emmer, Nacktweizen,Hirse und Hafer. Danach wieder Weidewirtschaft. Bei einem Arenertrag von 5-10 Kg Getreide (bis um 1800 üblich), ergibt dies gesamthaft eine Jährliche Ernte von etwa 3000-6000 Tonnen Getreide. Nach Abzug von Saatgetreide, Schwund, Mahlverlust usw. etwa die Hälfte backfähiges Mehl. Also 1500-3000 Tonnen. Pro Tag 4000-8000 Kg Mehl oder 8-16 Mio Kalorien. Reicht aus um 5`000-10`000 Menschen zu nähren. Nach Abzug der benötigten Menge für die Selbstversorgung der Bauern musste Brenodurum noch erheblich Getreide jenseits der Aare, Saane und Sense beschaffen.

Ich glaube, dass gar eine Art vorindustrielle Landwirtschaft ausgeübt worden ist. Die langen und hohen Kolluvien deuten nicht auf eine kleinbäuerliche Wirtschaftsweise hin. Kleinbauern hatte es ohne Zweifel viele, deren Kapazitäten für Anbau und Ernte für diese riesige Fläche jedoch begrenzt waren. Saisonal benötigte es deshalb die Mitwirkung der ganzen Bevölkerung, einschliesslich der Städtischen.

Römerzeitlich ist auch noch eine starke Ausdehnung der Ackerfläche mit Pollenanalysen nachgewiesen. Bis um 250 n.Chr. herrschte auf der Alpennordseite ein kleines Klimaoptimum. Eine gute Voraussetzung für ein Bevölkerungswachstum, das durch die urbane Romanisierung der Kelten stark gefördert worden sein dürfte. Wie sollten sie sich den neuen angenehmen Lebensgewohnheiten der Römer in den Civitas entziehen können? Schliesslich benötigten die Besatzer jede Menge Bauarbeiter, Knechte, Söldner (Hilfstruppen), Hausangestellte, Beamte usw.. Es gab Verdienst und Einkommen während etwa 400 Jahren. Der kooperative keltische Adel soll in die römische soziale und hierarchische Verwaltung mit Anreizsystem integriert und als Bürger anerkannt gewesen sein. 



Ein Vergleich der damaligen imperialen Romanisierung mit der heutigen Amerikanisierung und Globalisierung der Welt ist durchaus zu sehen. Keltisches Brauchtum und Sprache (Bilinque) blieb im Mittelland hingegen erhalten. Gemäss archäologischen Befunden sollen die Einheimischen anteilmässig um die 90 % der gesamten Einwohner  gestellt haben. Die magere Quellenlage (Caesar) erlaubt aber keine genauen Rückschlüsse inbezug auf eine Bevölkerungszahl während der Römerzeit (Römer und Einheimische). Gesichert ist eine Legion Besatzungsarmee für Sicherheit und Ordnung von etwa 7000 Römern mit ihren Familien, die in Windisch stationiert war. Hochrechnungen der Demografie seit der Besiedelung nach der Eiszeit bis zum Jahr 0 ergeben eine maximale Anzahl von etwa 250 000 Leuten. Erstaunlich deckungsgleich.

Nach den Römern wächst wieder ein Sekundärwald

Pollenanalysen aus Sedimenten im Lauernzersee zeigen eine starke Zunahme der Laubwaldpollen (im Mittelland) um 400 n.Chr. an. Erst um 600 n.Chr. ist wieder eine Abnahme zu beobachten. Dieser Befund passt mit dem Abgang der römischen Besatzer um 400 n.Chr. überein. Gemäss älterem Kenntnisstand soll auch die Einheimische, vormals keltische Bevölkerung mitgegangen sein. Neuere Befunde deuten jedoch eine kontinuierliche, wenn auch reduzierte, Benutzung der Städte und der landwirtschaftlichen Flächen an. Die römischen Gutshöfe sind aber dem Zerfall überlassen oder wie derjenige im Spilwald durch einen Brand zerstört worden.  Die Wiederbewaldung deutet schlüssig die tiefere Bevölkerungszahl an, bis schliesslich eine einwandernde burgundische und, oder eine alemannische Bevölkerung den Sekundärwald wieder dezimiert hat. Seither hat die Ackerfläche, so die Steinfunde im Forst es bezeugen können, die vormalige Ausdehnung bis heute bei weitem nicht mehr erreicht. Zwar wurde das Plateau bis auf die Sense- und Saaneabhänge wieder abgeholzt. Angrenzend um den bernburgerlichen Forst musste aber auf ackerfähigem Boden etlicher Wald erhalten bleiben, denn sonst wären z.B die Nessleren Bauern in ihrer Existenz gefährdet gewesen.

Privatwald dient als Holzlieferant

Heutige Privatwälder dienten als Holzreserve der mittelalter Bauern. Um 1500 besass ein Bauerhof mindestens 20 ha Wald (der durch die folgenden Hof- und Erbteilungen heute stark zerstückelt ist). Auch ohne strenges Waldgesetz achtete man auf die Erhaltung einer gewissen Waldfläche. Holz war seit jeher der wichtigste Werkstoff überhaupt. Als Bauholz, Werkstoff für die Fahrhabe und Werkzeuge, als Brennholz zum heizen, kochen, backen, waschen. Nicht zuletzt als Reserve und Rückversicherung im Brandfall.

Primär- und Sekundärwaldgrenze im Bärechlauewald

Die rote Linie markiert die Hangkante und gleichzeitig die Ackergrenze in römischer Zeit.

A: Primärwald

B: Sekundärwald

C: heutiges Ackerbaugebiet

Fazit: die sekundärwald Abholzung wurde vor dem Erreichen der Hangkante gestoppt.

​​​​​​​An 3 Stellen fand ich Steine mit Pflugkratzern (B)

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Kelten Nachfahren um 475?

Neue Funde an der Gartenstrasse in Neuenegg belegen die Anwesenheit von Menschen im Früh-Mittelalter. Die Radiocarbondatierung eines bearbeiteten Eschenstückes ergab ein Alter von 1575 Jahren, also 445 n.Chr. (Siehe "Terrassenbauer an der Sense").

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Altes Kirchspiel Neuenegg 1339-1534

Bis zum Laupenkrieg von 1339 gehörte Laupen zum Kirchspiel Bösingen. Nach dem politischen Seitenwechsel mussten die Laupener trotz weitem Kirchgang mit Ausnahme der Taufe 200 Jahre lang in der Kirche Neuenegg antreten (in Laupen hatte es eine Taufkapelle). Es versteht sich fast von selbst, dass sie jeweils in der Schenke zu Freiburghaus halt machten. Dies führte zu familiären Verbindungen von den Freiburghaus zu den Laupen Geschlechtern (Klopfstein, Zingg, Zarli, Balmer, Ruprecht), wie sie in den Taufrodeln Laupen ab 1555 zu finden sind. Selbst der Bauernführer Peter Freiburghaus hatte sich 1653 in Laupen vor seinen Häschern versteckt (bei Balmer).

Rot: einstiges Kirchspiel Neuenegg 1339-1534.

Hypothese:

1. Mit dem Abgang der Römer, verschwanden die romanisierten Helvetier Abkömmlinge nur zum Teil. Anerb berechtigte Bauern dürften aus gutem Grund geblieben sein. Das aus der Antike angewandte und bis heute in Westeuropa geltende Gesetz, das besagt, dass der älteste Sohn oder andere Kinder oder Verwandte den Hof ungeteilt erben können, ist die geschützte Bindung von Bauern-Generationen an den bewirtschafteteten Boden. Besitzer desselben waren sie jedoch nicht. Bodenzins musste an den Lehnherr oder die weltliche Macht entrichtet werden. (Römer, Bistümer, Grafen, Stadtstaat Bern)

2. im Frühmittelalter dauernd anerb berechtigte Kelten Nachfahren ansässig (im späteren Kirchgemeindegebiet von Neuenegg), deren einstige Ackerfelder heutige Waldparzellen sind (im Wydenholz und im Nesslerenholz).

3. Neue Bistümer (Chur, Basel, Genf seit dem 4. Jh.) werden in Helvetien installiert und sicherten sich Grundbesitz, welcher

4. später an Kirchgemeinden, an Klöster und deren Abteien gegangen ist (Die Johanniterabtei von Freiburg hatte in Neuenegg (Freiburghaus)        umfangreichen Grundbesitz.

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